My home is my castle

Wir wollen allein sein zum Schutz. Vor Kritik, dem bösen Blick o.ä. oder den Anforderungen von anderen. Deshalb gibt es Kinderzimmer. Deshalb wollen wir Privatsphäre. In Marokko löst man das mit dem Ziehen der Decke über den Kopf.

Bei Gewalt, ob psychisch oder physisch, wurde der ureigene Schutzraum gestört. Rückzug war nicht möglich, und bleibt es fortan auch nicht mehr, da die Erinnerung tief in uns eingegraben ist. Wir sind nirgens sicher. Nur das Ausschalten des Gehirns bringt kurzfristig Frieden. Frieden, der mit Drogen einfach herzustellen ist. Oder mit einer einsamen Burg.

Ich selbst war immer der Wegläufer. Ich bin unzählige Male umgezogen. Habe neu angefangen. Aber trotz allem habe ich in der Vergangenheit jedes Mal wieder Raum für meine Liebsten geschaffen. Ein Gästebett. Eine zusätzliche Sitzgelegenheit. Erinnerungsstücke. Wohnungen immer auch für andere ausgestattet. Ich bin nun doch auch ein soziales Wesen…

Es gibt zigtausend schön eingerichtete Wohnungen, in denen nur eine Person lebt. Die Einrichtung ist Ersatz. Es könnte ja jemand zu Besuch kommen, dem sie gefallen soll. Ein Gästezimmer muss her. Und doch spiegelt es uns die Einsamkeit, wenn es nie benutzt wird. Denn Einladen ist so eine Sache. Die Privatsphäre könnte gestört werden. Zu lange da? Zu dreckig? Man muss mehr Erwartungen erfüllen? Für den anderen zu oft da sein? Sich nicht einfach in seinen Schutzraum zurückziehen können? Der Schutzraum sind die eigenen vier Wände. Nicht das Zimmer. Nicht die Decke über dem Kopf. Hier in diesem eigenen Schutz-Raum hat man einen Menschen eingeladen. So nah. Das zehrt an der Energie. Es führt zu Verteidigung…

Was, wenn wir uns umprogrammieren könnten?

Dann hätten wir die Gemeinschaft, die wir trotz allem so sehr brauchen (und es oft nicht wahrhaben wollen). Ich muss nicht Gastgeber spielen, wenn ich Eigenverantwortung vom anderen voraussetze. Ich selbst kann auch Gast sein, wenn ich selbst Verantwortung für mich übernehme und es auch zugelassen wird.

Eine gute Übung ist das Hostel im 8-Bett-Zimmer. Decke über den Kopf und Ohrstöpsel sind auch ok. Woanders Gast sein. Oder ein B&B in Marokko führen😅

Ich muss auch nicht Unterhalter sein, wenn mir das Gespräch nichts sagt. Ein freundliches, wertschätzendes Miteinander, wenn man sich begegnet, reicht völlig. Und vielleicht eine höfliche Mitteilung, dass man gerade zu müde ist, um zu folgen…

Es sind unsere eigenen Anforderungen, wie wir zu sein haben, die uns letztendlich überfordern. Unsere Prägungen. So müssen wir sein, um richtig zu sein. Dabei haben wir nie gelernt, uns innerlich, situationsbedingt, abzugrenzen oder einfach Nein zu sagen. Wie auch, wenn wir gelernt haben, dass unser Schutz nichts wert ist? Trotzdem dieser gebrochen werden kann? Von Eltern? Von Menschen, die vorgeben uns zu lieben? Menschen, die wir als Kind zum Überleben brauchen? Wir brauchen mehr Schutz als unser einfaches NEIN…

Wir entwickeln alle unsere Strategien.

Manch einer in der totalen Einsamkeit. Oder in der oberflächlichen Verurteilung anderer als ‚krank‘ oder ‚abnormal‘. Nur die Menschen, die sich meinem Schutzanspruch beugen, sind ‚richtig‘. Eigene Kinder, oder unterdrückte Ehepartner werden passend gemacht.
Sind also diejenigen, die ihre Macht ausspielen, um ihren Schutzraum zu wahren, die Eltern, die wieder die nächste traumatisierte Generation erzeugen? ‚Ich brauche meine Ruhe. Du nervst. Du bist zu viel. Du hörst nicht, also schlage ich oder habe dich nicht mehr lieb. Gehe in dein Zimmer!‘

Und so glaubt das Kind, nicht richtig zu sein, passt sich an eine bereits traumatisierte Person an und gibt es später weiter… Ein Kreislauf…

Wer gibt vor, was normal oder gut ist?

Es sind die Generationen vor uns. Mit gesellschaftlicher Gehirnwäsche, Kriegstraumata und Gebetbuch in der Hand. Für den Schutz INNERHALB der Gesellschaft.

Dass wir aber gerade dadurch wieder und wieder traumatisierte Kinder heranziehen, die es vorziehen, alleine in einer teuren Wohnung die Tage zu fristen, womöglich drogenabhängig werden oder asozial, ist uns wohl nicht bewusst.

Manche Menschen bekommen schon Zustände, wenn das Besteck falsch herum in die Spülmaschine gesteckt wird. Oder die Putzfrau Dinge nicht mehr an die selbe Stelle zurückstellt. Ihr Schutzraum an Unveränderlichkeit und Zuverlässigkeit wird dann gefährdet. Alles soll so bleiben wie es ist und wie es für den Eigentümer dieses Raums richtig ist. Natürliche Verbindungen werden ausgehebelt. Macht ‚es‘ der andere anders in meinen 4 Wänden, wird alleine dieser Akt als Verletzung der Privatsphäre gewertet und führt zur Verteidigung des eigenen Raums mit mindestens Kritik des anderen. Ich denke da gerade an die Zahnpastatube…

Was wäre, wenn wir lernten, dass unser eigener innerer Raum genügt?

Auch wenn er verletzt wurde? Wenn wir verinnerlichen würden, dass wir allein durch Erinnerung und Gedanken die Grenzverletzung aufrechterhalten? Diese Programme nur deshalb existieren, um uns vor einer neuerlichen solchen zu schützen, uns aber vielmehr daran hindern, den anderen zu sehen, zu tolerieren, zu lieben? Und genauso auch uns selbst?
Was wäre, wenn wir lernten, dass wir die Macht dieser Gedanken aushebeln können?

Nicht durch Verstecken in den eigenen leeren vier Wänden, sondern durch Bewusstmachen? Durch stehen lassen? Durch akzeptieren, dass es so war, aber nicht mehr dazu kommen muss? Dass die Macht über uns durch unsere eigenen Schutzprogramme uns weiter von uns wegbringt als die Machtausübung von Aussen?

Wir leben durch unser Leben, um vielleicht genau das zu verstehen.

Dass nicht die Eltern für die Liebe allein verantwortlich sind. Dass wir es sind, die in diese Liebe eintauchen können, weil wir sie freiwillig geben. Ohne Erwartung auf Gegenleistung oder Wertschätzung. Dann wird auch der Gast auf der Couch ein willkommener Gast sein. Egal wie lange es dauert. Egal wie er das Besteck einsortiert. Denn dann ist die Grenze nur noch in mir und ich kann jederzeit in die Distanz gehen, wenn ich es wirklich will. Das ist dann ‚die andere Wange hinhalten‘, ohne unbewusstes ‚Gegen‘-Reagieren.
Und unsere Räume sind dann nicht mehr leer.

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