Geld oder Liebe
Kann man nicht einfach alles haben?
Ich habe in meinem Leben genau das erlebt: Ich musste mich so oft entscheiden: Entweder Liebe zu Menschen und Tieren leben können, aber dann Existenzängste haben, oder keine Existenzängste haben, aber dann isoliert – ohne Herz im Alltag – leben zu müssen.
Warum ist das so? Ich möchte gerne alles haben. Und kämpfe gefühlt mein ganzes Leben lang dafür. Und habe es eigentlich nie erreicht. So oft musste ich gehen, wenn ich die Verantwortung für die Existenz sichern musste. So oft wollte ich bleiben, konnte aber nicht. Oft hat alleine die Angst, nicht versorgen zu können, mich bereits aus dem Paradies vertrieben.
Wie würde es sich anfühlen, diese Verantwortung, Geld zu verdienen und die Existenz zu sichern, nicht zu haben, und in einer Familie, mit einem geliebten Partner, mit Tieren zu leben – die Liebe zu leben? Auf Dauer? Ohne Sorgen? Könnte ich das überhaupt? Oder ist die Liebe auf Dauer eigentlich gar nicht erstrebenswert, weil sie in der Alltäglichkeit sowieso stirbt? Weil sie ein Trugschluss ist? Ist die Sehnsucht nach dem Paradies auf Erden, das uns verwehrt bleibt, nicht vielleicht sogar der essentielle Antrieb, weil wir sonst nicht lernen? Und uns nicht entwickeln? Es ist vielleicht auch meine ureigene Aufgabe, die Verlustängste immer wieder zu bearbeiten. Die Wertigkeit des Moments bewusst zu machen. Nicht festzuhalten. Nicht auf den schnöden Mammon zu warten oder hinzuarbeiten, sondern die Liebe im Moment anzuerkennen. Immer in Schwingung. Immer in einem Auf und Ab.
Und, was mir immer wieder bewusst wird: Liebe ist keine Währung. Wir lernen jedoch im Laufe des Lebens, dass «Versorgt werden» erst Liebe ermöglicht. Ein Alltag mit von uns geliebten «Wesen» nur mit gleichzeitiger Versorgung möglich ist. Meine Kinder, meine Katzen, mein Pferd, mein Hund… sogar meine Partner… zeigen mir ihre Liebe, aber diese empfange ich nur regelmässig, wenn ich sie auch «füttern» kann. In meinem Fall habe ich mir diesen «Alltag» immer nur für kurze Momente «gestohlen». Und doch sehne ich mich nach einer Sicherheit auf Dauer. Ich müsste es doch besser wissen, oder? Akzeptieren, dass dieses Modell für mich nicht bestimmt ist.
Doch ich sehne mich nach Ankommen. Wieder. Länger. Mein Streben danach gibt mir Sinn. Existenzsicherung nur von mir – nicht. Ich bin müde. Vielleicht ist die Existenzsicherung jetzt aber genau richtig, um danach wieder ein Ankommen zu ermöglichen. Wie lange alles währt? Ich weiss es nicht. Vielleicht im Wechsel langsamer. Aber sicherlich bis mich wieder die nächste Lernaufgabe ruft… Des Lebens Ruf wird niemals enden…