JETZT – auf der Schaukel des Lebens

Für Regina, für Iris, für Marion,
die mit mir ein Teil ihres Weges geteilt und mich in den letzten Wochen unglaublich inspiriert haben. Und für meine Tochter, die gerade die Schattenseite des Systems kennenlernt.
Aber auch für alle meine vergangenen und zukünftigen liebevollen Verbindungen – inklusive mir selbst.

Das Paradoxon des Geliebtseins und des gleichzeitig nicht OK-Seins, des «nicht so angenommen Werdens wie man ist», zwingt uns als Kind ins Menschwerden hinein. Das Jo-Jo beginnt. Bewertungen bestimmen fortan unser Leben. Um uns zu schützen.

Als Embryo fühlen wir uns sicher, geborgen und geliebt. Es ist ein Zustand. Es IST. Unser Selbstbewusstsein ist noch nicht vorhanden. Selbst noch nicht bei der Geburt, die bereits Schmerz, und damit eigentlich einen zukünftigen Schutzmechanismus verheisst. Das Selbstbewusstsein entsteht erst mit ca. 3 Jahren. Wenn wir das erste Mal bewusst in einen Spiegel sehen. Die Trotzphase beginnt. Trotz was? Wir trotzen dem Zwang der Bewertung von aussen. Wir werden gezwungen, den Weg des «selbstverständlich Seins», des Selbstverständnisses zu verlassen. Wir fühlen plötzlich die Hilflosigkeit und die Bedürftigkeit nach Liebe und Sicherheit. Sehr oft durch ein Trauma. Also fangen wir an, uns zu schützen. Vor einem «falschen» Verhalten. Als Antwort auf die Bewertung von Aussen. Und dann daraus folgend mit einer Bewertung von und durch uns selbst.

Bis wir eines Tages uns der Selbsterkenntnis wieder zuwenden dürfen.

Liebe und Sicherheit sind ein Grundbedürfnis. Und ein Zustand. Das IST im Moment. Bewertungen erzeugen erst Emotionen, die diesen Zustand ins Wanken bringen. Das NICHT-OK-SEIN hat Einzug gehalten. Das: So musst du für die Zukunft sein, damit das und das nicht mehr passiert. Dein Agieren, dein Reagieren, wird kanalisiert – von unserem Umfeld. Und dann schliesslich von uns selbst. Für eine Sicherheit und eine Liebe in der Zukunft.

Schaffen wir es, uns bewusst zu machen, SELBSTBEWUSST, dass wir genau in diesem Moment sicher und geliebt sind, entheben wir uns dem Zwang der Selbstbewertung und der Bewertung von aussen.

Wir haben bereits alles in uns, wonach wir unser ganzes Leben streben.

Aber wie kann das sein? Wir haben doch gelernt, dass nichts sicher ist. Dass morgen schon alles anders sein kann. Dass ich meine Lebensgrundlage jederzeit verlieren kann, wenn ich nicht aufpasse. Also igle ich mich ein, umgeben mit allen Optionen, die mir Sicherheit garantieren. Dass ich auch morgen noch mein Dach über dem Kopf habe, genug zu essen, eine SICHERE RENTE. Dabei zieht das Leben an mir vorbei. Denn anscheinend kann ich nicht beides haben. Sicherheit in der Zukunft und Leben spüren im Moment. Wieder ein Paradoxon. Ich lebe in der Zukunft, aber nicht wirklich im Moment. Ich lebe im Moment, dann aber nicht wirklich in der Zukunft.

Nun, wir sind alle Menschen. Wir pendeln hin und her. Zwischen dem Zukunftsdenken und dem Leben wollen im Moment. Das ist unser Weg.

Durch den wir gehen müssen. Alles ist Schwingung. Auch das Pendel. Schwingen wir nicht mehr – auch nicht in unseren Lebenserfahrungen – sind wir praktisch nicht mehr am Leben. Dann haben wir uns rausgezogen. Aus dem Schwung.

Was ich ganz deutlich gespürt habe, ist, dass der Schwung zwischen Risiko und Sicherheit, zwischen Liebe und Nicht-ok-sein, zwischen JETZT und der ZUKUNFT immer mehr von Aussen in einen Stillstand gerät. Uns wird jedes Risiko abgesprochen – durch unglaublich viele Massregelungen. Uns wird Angst vor der Zukunft, vor dem Krankwerden, vor dem Sterben eingeflüstert, damit wir im Sicherheitsdenken, im Hamsterrad verharren und weiterhin dem System dienen, dass von uns profitiert. Es ist wie Sklaverei in Samthandschuhen. Ohne Schwung. Wir dürfen nicht mehr aufstehen und uns bewusst dem Risiko des Lebens öffnen. Es könnte ja etwas passieren. Wir dürfen uns nicht mehr auf «unvernünftige» Lieben im Moment einlassen, weil es Unheil für die Zukunft bedeutet. Weil es keine Garantien gibt, dass die Liebe morgen noch besteht. Die Bewertungen sind überall. Um uns herum und in uns selbst. «So muss ich mich verhalten! Nur so bin ich richtig.» Wir bauen Mauern. Wir schützen uns. Gegen das Risiko. Gegen die Liebe. Weil wir alle gelernt haben, dass in dem Moment, in dem die Bewertung stattfindet, das IST – der Zustand von Liebe und Geborgenheit, von Sicherheit – verschwindet. Wir erleben Schmerz bevor er bereits stattfindet. Weil unsere Erinnerung – die Vergangenheit – darum weiss.

Es gilt, in den natürlichen Schwung zurückzukommen. Indem wir ein neues Bewusstsein schaffen

Können wir nicht einfach vergessen anstatt uns vor dem Leben zu verschliessen? Nun, Vergessen ist nicht der richtige Weg. Die Erinnerung arbeitet unterbewusst. Sie beeinflusst unser Handeln. Unsere Entscheidungen. Manch einer nimmt Hilfsmittel zum Vergessen. Auch ich bin nicht davor gefeit, ab und zu – besonders wenn ich trauere – ein Gläschen zuviel zu trinken. Es scheint mich in den Moment zu bringen. Alles vergessen! Wie gut sich das anfühlt. Aber nein. Es ist am nächsten Tag immer noch da. Zusammen mit einem Kater. Mmmh.

Was mir persönlich geholfen hat, ist, mir die Erinnerung jedes Mal neu bewusst zu machen. Nicht als Emotion. Diese kommt hoch, wenn ich mir nicht bewusst bin. Die Panik, mich wieder auf einen Menschen einzulassen, kommt aus einem UN-BEWUSSTEN Dahingleiten in meinen hervorgerufenen Emotionen aus der Vergangenheit, und beeinflusst mein Handeln. Vielleicht ist es richtig, mich zu schützen. Bin ich nicht mir selbst gegenüber am ehesten verpflichtet? Auf mich selbst aufpassen, wenn es sonst keiner tut oder getan hat? Aber eben – ich weiss es erst, wenn ich mir der Zusammenhänge bewusst werde. Mir selbst und meinen Schatten bewusst werde.

Ein Rezept

Ich spüre der womöglich falschen Emotion nach. Einem Trauma. Ich projeziere es in ein Kissen oder Stuhl und unterhalte mich mit ihm. Interessant, welche Antworten ich erhalte. Ich mache mir die Emotion, die damit verbunden ist BEWUSST. Ich ziehe sie in die Vogelperspektive. Trotzdem kommen mir dabei womöglich die Tränen. Das darf sein. Das ist gut. Ich lasse es raus. Und dann kann ich mit neuem Schwung mich auf die nächste Situation einlassen. Mit dem Wissen, dass diese Emotion berechtigt ist, oder aber auch nicht.

Es gibt noch ein zweites «Rezept». Darum wissen, dass ich eigentlich sicher bin. Und geliebt. Im Moment.

Dann ist mein Handeln nicht mehr aus einem Mangel heraus. Aus dem Schatten meiner Erinnerungen. Aus dem Bedürfnis, endlich geliebt zu werden. Wiedergutmachung. Sobald es mir bewusst wird, dass ich mich selbst genügend liebe und mich auf das Leben, auf die richtigen «Lektionen» verlassen kann, kann ich mich auf die Zukunft anders einlassen. Neu. Ohne alte Bewertung. Vielleicht für eine neue Bewertung. Im Rückblick. Dann gebe ich das («Kontroll-«)-Steuer ab und werde zu meinem verlässlichsten und authentischsten Steuermann. Dann agiere ich intuitiv. Ohne Kontrolle. Ohne Kampf. Auf der Welle.

Aber wie kann das sein, dass man immer sicher ist? Ich habe die Erfahrung gemacht. Dieses Bewusstsein entsteht, wenn man loslässt. Wenn man die Verantwortung und das Festhalten an der Sicherheit abgibt. An das Universum. An das Göttliche. An das Sein. Plötzlich wird man versorgt. Beschenkt. Gerettet. Als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Wenn man den Tod akzeptiert, dann entscheidet etwas anderes über dein Leben. Und man ist frei. Im Moment. Und OK. Dann spürt man, dass sämtliche Bewertungen nur dazu dienen, uns einzufangen. Einzunorden. Im Kanal zu halten. Und am Schlimmsten sind wir selbst.

Was ich mittlerweile gelernt habe ist, dass wir diesen Schwung brauchen. Das Pendel. Zwischen den Welten. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Wir passieren dabei aber immer den Moment. Das IST oder SEIN. Wir touchieren es. Es ist wie ein Aufblitzen. Ein Bewusstwerden. Jedes Mal ein bisschen stärker.

Es gibt kein Richtig oder Falsch des eigenen Weges oder der eigenen Erfahrungen. Alleine das WISSEN, dass lediglich die BEWERTUNGEN ein Richtig oder Falsch daraus machen, ist Freiheit. Jeder hat seinen eigenen Weg. Vom Zustand des Seins, ins Menschwerden hinein, bis hin zu dem Göttlichen, dass bereits seit Anbeginn in uns schlummert.

Gehen wir den spannenden Weg des Pendels, des Schwungs, der Anziehung und des Abstossens, der Freude und des Schmerzes, entdecken wir irgendwann das uralte Prinzip der Spirale darin.

Den Kreis in der Zeit. Mit jedem Schwung verändert sich der Radius ein kleines bisschen. Wir steuern auf etwas zu. Auf etwas Grösseres. Oder Zentrales. Und dazu benötigen wir die Zeit. Und das JETZT. Das Unendliche. Im Dazwischen. Wir immer mittendrin.

Ritual

Du kannst es überall tun 😉 In jedem Moment. Damit du aus dem Verharren in den Ängsten und Sorgen und womöglich der Starre, leichter herauskommst. Wieder in das JETZT. In den Übergang. In das Dazwischen.

Stelle dir die Elemente vor, spüre sie. Und bringe sie damit in Zusammenhang mit deinen Sinnen.

Luft

  • Rieche bewusst. Was riechst du? Sage es. Denn Worte sind gewichtiger als Gedanken: «Ich rieche den Ozean. Das Räucherstäbchen. Den Duft dieser Blüte…»
  • Singe ein Lied. Eine Melodie. DAS kannst du alleine durch deinen Körper. Durch deine Lunge und dein Zwergfell. Ist es nicht ein Wunder?
  • Puste in deine Hand. Das ist DEIN Atem. Du hast ihn mit deiner Lunge erzeugt. Du trägst das Element Luft in dir.
  • Atme bewusst ein paarmal ein und aus. Es ist deine Nase, dein Mund, deine Lunge, die dieses Wunderwerk an Luftaustausch, an Stimulation durch Geruch, an Tönen und Vibrationen vollbringt und dich durch das Leben begleitet, solange es bestimmt ist.
  • Danke dem Element Luft und deinem eigenen Körper, der mit diesem Element verbunden ist.

Feuer

  • Schliesse die Augen. Was siehst du? Du siehst Licht. Erzeugt durch den Feuerball am Firmament. Die Sonne. Du erkennst womöglich Muster hinter den geschlossenen Liedern. Versuche sie zu beschreiben. «Ich sehe Punkte, Kreise, ein «Bildrauschen», ich spüre plötzlich ein Dunklerwerden (z. B. wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt) etc.
  • Mache eine Kerze an, ein Streichholz, ein Feuerzeug oder zünde ein Feuer an. Schaue dem Flackern zu. Bemerke die Schönheit dieses Elementes. Die Farben, das Wiegen im Wind. Du weisst, dass dich Wärme schützt. Es sind deine Hände, es ist dein Wissen, dass dieses Feuer entfacht hat. Und dein Tastsinn und dein Verstand werden dich auch weiterhin durch das Leben begleiten, solange es bestimmt ist.
  • Danke dem Element Feuer und deinem eigenen Körper, der mit diesem Element verbunden ist.

Wasser

  • Trinke einen Tee, lasse den Wasserhahn laufen, fasse bewusst in einen Bachlauf, oder gehe mit den Füssen in das Meer. Spüre die Temperatur. Mache dir bewusst, wie weich sich das Wasser auf deiner Haut anfühlt. Beobachte, wie das Wasser durch deine Finger rinnt. Versuche einen Tropfen zu erhaschen. Du weisst, dass dein Körper überwiegend aus Wasser besteht. Wasser ist in dir. Es erhält dich am Leben, von aussen. Das Wunder deines Körpers nimmt durch den Mund das Wasser auf (spüre einmal deinem Schluck Tee hinterher), spaltet es auf, verwertet es und schickt es als Spülung durch deinen Körper als Urin wieder hinaus.
  • Danke dem Element Wasser, das dich umgibt und deinem eigenen Körper, der mit diesem Element verbunden ist.

Erde

  • Iss etwas. Etwas, dass durch den Kreislauf der Mutter Erde gegangen ist. Nicht verarbeitet. Einfach nur natürlich. DAS ist Natur. Das kommt aus der Erde und wird wieder zu Erde. So wie unser Körper. So wie alles Materielle. Schmecke es. «Mutter Erde» ist mit unserem Geschmackssinn untrennbar verbunden. Er entscheidet für uns. Er hilft uns, die Bedürfnisse unseres Körpers zu schmecken. Er lässt uns geniessen.
  • Suche dir einen Stein, der dich anspricht. (Steine eignen sich hervorragend für ein Ritual des Loslassens.) Oder eine Muschel. Eine Feder. Schaue dir dein Fundstück an. Wie seht es aus? Welche Farben hat es? Sagt dir diese Form etwas? Möchte sie dir etwas sagen?
    • (Zum Beispiel: In dieser gebrochenen schön schillernden Muschelschale sehe ich die Analogie des Alters. Die Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.

    • Oder in meinem Stein: Er sieht aus wie ein Herz. Und doch sind es zwei verschiedene Steine, die aneinanderkleben. Der eine ist glatt, der andere porös. Andere Farben. Es ist eine Analogie für mich für meine letzte verflossene Liebe. Diesen Stein habe ich gefunden, als ich mich getrennt habe. Wir waren zu unterschiedlich. Und doch haben wir aneinander geklebt. Es war Liebe. Liebe für den Moment. Und sie durfte sein. Nicht im Alltag. Aber auf einer anderen Ebene. Wenn ich diesen Stein anschaue, verblasst der Schmerz jedes Mal. Er ist ein Geschenk, das ich mitnehme in meine Zukunft. Ich lasse den Stein los, wenn es Zeit ist. Wenn ich bereit bin, die Last des Schmerzes an ihn zu übergeben. Wieder ins Unbeschwerte hinein.)
  • Unser Tastsinn, unser Sehsinn, unser Geschmacks- und Geruchssinn sind untrennbar mit dem Element «Erde» verbunden. Denn Erde ist das Ergebnis aller Elemente zusammen. Unser Körper ist «Erde». Selbst unsere Fortpflanzung, der Kreislauf aus Leben und Tod. Alle Lebewesen sind dank der Erde. Und die Erde ist dank aller Lebewesen. Und der Elemente. Und die Sonne steht über allem. Ihr Licht gibt uns Wärme. Nicht nur für unseren Körper, auch für unsere Seele und die Liebe im Moment.

Dankesgebet

Was ebenfalls auf der Schaukel der Emotionen hilft, ist Dankbarkeit. Ich mache daraus ein Morgenritual. Unter freiem Himmel. Es stimmt mich ein in die Verhältnismässigkeit zwischen Licht und Dunkel. Zwischen meinem Wunsch nach Spiritualität und Leichtigkeit und meinen täglichen Pflichten und Sorgen. Es bringt mich in die Waage für den nächsten Schritt. Mit dem Bewusstsein, ich bin Teil von etwas Grösserem. Einer Spirale.

In Osten geht die Sonne auf,
sie verdunstet das Wasser, es nimmt seinen Lauf.
Sie schickt ihre Strahlen als Nahrung ins Grün.
Sie verwirbelt die Schichten, ohne dass wir es sehen.

Dank dir, oh Feuer, oh Wasser, oh Wind,
dank dir, oh Erde, dass wir durch dich sind.

Dank euch Elemente, die ihr uns umgebt,
dass Liebe und Licht stets in uns weiterlebt.

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