Lesung: „Wiborada – jenseits der Klostermauern“

Eine spirituelle Erzählung von Zerissenheit, Mut und innerer Wahrheit

Wer war Wiborada?

In den Chroniken erscheint sie als erste Heilige, als Inklusin, also als Frau, die sich einmauern liess. Menschen, vor allem Frauen, pilgerten bereits zu Lebzeiten zu ihrem „Refugium“ nahe des Klosters St. Gallen, um Heilung zu erfahren.

Ich habe ihre Geschichte in einem Buch neu geschrieben. Und ihr ein Gesicht gegeben, von einer gebildeten Frau, die das alte Wissen in sich trug und zu ihrer Lebzeit zwischen den Welten stand. Sie wurde in eine Zeit geboren (ca. 872), in der die damals „heidnische“ Welt noch sehr präsent und die neue christliche noch jung war. Sie wurde im Jahre 1047, also rund 120 Jahre nach ihrem Tod (926), als erste Frau heilig gesprochen. (Das Wort „heilig“ stammt von dem altdeutschen Wort „helgen“ ab und bedeutet so viel wie „zueigen“ oder auch „zugehörig“.) Man hatte sie nicht übersehen können. Denn bereits zu Lebzeiten war sie eine Heilerin gewesen. Eine Seherin. Eine Schamanin.

Als selbst nach ihrem Tod der Pilgerstrom nicht abreissen wollte, nutzte die Kirche diese Macht für sich, indem sie Wiborada „zu eigen“ machte. Ihr richtiger Name ist nicht überliefert worden. Die Ursprünge des Namens Wiborada liegen in den zwei althochdeutschen Wortbestandteilen wip für „das Weib“ und dem Namen Rada, was soviel bedeutet wie ‚der Rat, der Ratschlag, der Ratgeber‘, also in etwa „Weiberrat“.

Wir wissen, dass es ab ca. 1450 die ersten Hexenverfolgungen gab. Doch bereits lange vorher gab es eine öffentliche Diskreditierung sämtlicher Heilkundigen, Schamanen und Wissenden durch die Kirche. Nachweislich musste sich auch Hildegard von Bingen bereits im 12. Jahrhundert rechtfertigen, dass sie keine Hexe sei. Der «Klassenkampf» hatte jedoch bereits Jahrhunderte vorher mit der Ausrottung und Verfolgung sämtlicher keltischer und germanischer Schamanen begonnen. Ein Klassenkampf, dem bis ins 19. Jahrhundert unzählige Heilkräftige und uraltes Wissen zum Opfer fielen.

Wiborada wäre mit ihren Kräften ein paar Jahrhunderte später von derselben Kirche, die sie heilig gesprochen hatte, als Hexe verbrannt worden.

Doch wer war sie wirklich – als Mensch, als Suchende, als Frau in einer zerrissenen Zeit, zwischen altem schamanischem Wissen und christlicher Berufung? Zwischen den ungarischen Völkern, dem Mährenreich und den Intrigen bei Hofe der Könige und des Kaisers?

In dieser Lesung erzähle ich Wiboradas Geschichte neu:

Basierend auf intensiver Recherche und den logischen Zeitabfolgen aus historischer Sicht, den damaligen Machtverhältnissen zwischen Klerus, Adelsgeschlechtern und Königen und der sorgfältigen Rekonstruktion ihrer Lebensumstände im frühen 10. Jahrhundert, entsteht ein vielschichtiges Bild – fast ein Krimi – verwoben mit einer spirituell-femininen Perspektive, die sie aus der Statik der Heiligsprechung befreit.

Ihr Schicksal ist frei erfunden, bis auf einige Eckdaten wie ihr Bruder, ihr Vater, ihre Herkunft, Ihre Einmauerung der letzten 10 Jahre ihres Lebens und ihr jähes Ende im Kloster. Ich habe ihr ein neues Leben „eingehaucht“. Sie durfte lieben, Kinder gebären und ihr Wissen in Liedern und Büchern im Kloster hinterlassen.

Wiborada begegnet in meiner Fassung der alten Spiritualität durch ihre Ausbildung als Heilerin, aber auch den tiefgläubigen Ansätzen der neuen Kirche, den Schatten der damaligen Machtkämpfe und dadurch den Verwicklungen in dieser instabilen politischen Zeit, die auch vor den Mauern eines Klosters nicht Halt machten.

Ich lese ausgewählte Passagen aus meinem Buch «Im Dazwischen», begleite die Zuhörerinnen und Zuhörer mit kurzen Reflexionen und lade ein zum gemeinsamen Lauschen, Nachspüren und vielleicht auch zum Austausch ein.

Wen möchte ich damit ansprechen?

  • Frauenkreise, spirituelle Räume, Retreat-Orte
  • Buchläden, alternative Kulturhäuser, kleine Bühnen
  • Alle, die Geschichten jenseits der Norm hören möchten

ES IST AN DER ZEIT, MIT DEM MÄRCHEN «HEXE» AUFZURÄUMEN UND ALLEN HEILERINNEN UND HEILERN, DIE FÜR DIESEN IRRGLAUBEN* STERBEN MUSSTEN, ENDLICH EINE ART «REHABILITIERUNG» ERFAHREN ZU LASSEN.

Dauer: ca. 90-180 Minuten

Auf Wunsch mit stillem Ausklang oder Kreisgespräch

Wann & wo?

Jahresanfang/Frühjahr 2026 im deutschsprachigen Raum. Termine werden auch hier bekanntgegeben: autorenwelt.de

Lesungsanfragen willkommen: wiborada-monika@elsen.ch

*Das Wort «Hexe» basiert auf dem althochdeutschen Wort «Hagesuse» oder «Hagazussa», was so viel bedeutet wie «die auf der Hecke Sitzende». Also war sie Hüterin des Übergangs zwischen den Welten – der Aussenwelt und der Dorfwelt, die von der Hecke beschützt wurde, und der Anderswelt und dem Hier und jetzt. Durch das Kräuterwissen alleine schon besass sie Kenntnisse über lebensspendende und totbringende Massnahmen und Substanzen. Sie hatte Macht. Wissen ist Macht. Und Unwissenheit schürt Unsicherheit, die in der kleinen Eiszeit im Mittelalter zur Hexenverfolgung geführt hatte: Für den Hunger und das Elend konnte es nur «einen» Schuldigen geben: Die Hexe, deren Geheimnisse unheimlich waren. Und deren Wissen Geheimnis bleiben musste, da ihr dies bereits in den Jahrhunderten zuvor streitig gemacht wurde.

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