KRITIK – und der Umgang damit

(um jeglicher Kritik vorzubeugen 🙂 – ich bediene mich der maskulinen Schreibweise, rein aus Bequemlichkeit. Nicht um meine Spezies zu diskeditieren oder zu diskriminieren :-))

Zunächst einmal: Was ist Kritik? 

Zitiat Wikipedia: «Das Wort „Kritik» wurde am Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Französischen übernommen. Das französische Wort critique wiederum geht auf griechisch κριτική [τέχνη] ( kritikē [téchnē], abgeleitet von κρίνειν krínein ‚ [unter-]scheiden, trennen‘) zurück»

Kritik könnte man also so interpretieren, dass etwas Gesagtes, etwas Getanes unterschieden oder getrennt wird. Und damit vergleichbar gemacht wird. Und schon kommen wir zum wesentlichen Punkt: Kritik heisst, etwas Gesagtes und etwas Getanes zu vergleichen mit etwas anderem. Und damit bewertbar zu machen.

D. h. ALLES, was kritisiert wird, wird verglichen mit etwas anderem. Und derjenige der vergleicht, vergleicht Gesagtes, Getanes IMMER nach seiner eigenen Wertevorstellung. Denn diese ist Grundlage für unsere Kommunikation. Für unsere Art, den anderen zu spiegeln. Und auch immer ein Spiegel von uns selbst.

Vera von Birkenbihl hat sehr klar erkannt, dass konstruktive Kritik oft nur eine leere Worthülse ist. Sie hört sich gut an, mindert sie doch den Eindruck, den anderen persönlich angreifen zu wollen. Aber… jede Kritik ist eigentlich ein Angriff. Konstruktiv wird sie erst – nach Vera v. Birkenbihl – wenn Kritikgeber und Kritiknehmer sich auf Augenhöhe befinden. Wenn das Wissen (Gesagtes und Getanes) auf einer Ebene kritisiert wird, dass es weiter wachsen kann. Dann ist Kritik konstruktiv. Dann ist sie bereichernd. Und sogar motivierend.

Alle andere Kritik, die vielleicht trotzdem wohlgemeint ist, ist eher demotivierend – also destruktiv. Geht man davon aus, dass jeder aus seinen eigenen Fehlern selbst lernen möchte und auch kann, so ist die Chance, den anderen selbst (aus seinen Fehlern) lernen zu lassen, weit kostbarer, als ihn in die Schranken zu weisen, Lernen damit womöglich nur noch durch Druck zu erreichen und damit zu einer Qual zu machen.

Wir können unterscheiden zwischen Ich- und Du Botschaften, Beziehungs- oder Sachebene: 

  • persönliche Kritik (Beziehungsebene): Du bist dumm! 
  • auf Sachebene: Das was du getan hast, ist dumm! 
  • auf Augenhöhe mit «Ich-Botschaften» auf Sachebene: «Ich bin der Meinung, das war keine gute Idee»


Aber egal wie – vergessen wir nicht: Kritik ist immer eine Meinungsäusserung des Gegenübers.

Diese kritisierenden Botschaften sind immer eine subjektive Bewertung. Und es liegt immer an uns, ob wir sie zulassen wollen. Ob wir dem anderen Gehör schenken wollen. Oder ob die Botschaft einfach nicht zu uns gehört.

Wenn wir dem anderen kein Gehör schenken wollen, es aber trotzdem tun, lohnt es sich einmal tiefer hinzusehen:

Wer ist der Sender – warum ich als Empfänger

Wer kritisiert und was hat das mit mir zu tun? Das ist die für mich alles entscheidende Frage: Zu klären WARUM kritisiert mich der andere. WARUM kritisiere ich? WARUM trifft mich die Kritik von dieser und jener Person besonders? Das ist eine Aufgabe, die jeder für sich selbst lösen muss. Aber ist sie gelöst, kann ich versprechen, dass der Umgang mit Kritik plötzlich sehr viel leichter fällt. Erkennt man z. B., dass das Gegenüber die Haltung einnimmt «Ich bin OK – du bist Nicht OK», dann weiss man auch, dass der andere es braucht, um sich selbst zu erhöhen.

Mir hat einmal eine sehr weise Frau gesagt: ALLES, was dich belastet und bei dir eine Reaktion hervorruft, hat mit dir selbst zu tun. 

Und ja, es ist wahr. Die eine Kollegin, die mich immer kritisiert hat, konnte mich zur Verzweiflung bringen. Soweit, dass ich mit Tränen in den Augen auf der Toilette sass und kurz davor war, alles hinzuschmeissen. Aber WARUM konnte sie mich so treffen? Ich wusste doch theoretisch, dass sie ein Machtproblem hat. Dass sie unbedingt beweisen musste, dass sie mehr wert ist als ich. Dass sie beweisen musste, dass ihre vergangene Leistung alles alleine sich beizubringen, mehr wert war, als jemand anderem seine Fragen zu beantworten und demjenigen dadurch einen Vorteil zu verschaffen im Vergleich. Und ja, diese andere Person war leider ich. Ich fragte ihr «Löcher in den Bauch», denn warum sollte ich mir das Wissen mühsam aneignen, wenn es schon vorhanden war?

Irgendwann entdeckte ich, dass sie bei mir diese heftigen Gefühle (Enttäuschung, Wut) besonders leicht hervorrief, weil ihr Verhalten mit dem meiner Mutter zu vergleichen war. Und ich schlitterte jedes Mal in dieselbe Rechtfertigungs-Kinder-Rolle wie damals. Mit derselben hilflosen Wut.

Nachdem ich es erkannt hatte, konnte ich etwas besser damit umgehen. Aber immer noch traf es mich. Konnte mich treffen. Denn diese Frau war mir anscheinend nicht egal. Das Urteil dieser Frau war anscheinend wichtig für mich. Nur deshalb konnte ich nicht darüberstehen. Ich wollte gemocht werden 😉 Also Flucht nach vorn. Wir schafften sogar zeitweise einen freundschaftlichen Umgang. Sie entschuldigte sich auch ab und zu. Balsam für meine Seele. Aber… Sie änderte sich natürlich nicht. Warum auch? Mein Verhalten hatte sich geändert. Aber je mehr ich sie integrierte, desto mehr verlor ihre Ablehnung an Schrecken. Desto mehr erkannte ich, dass ihre Art nicht direkt mit mir als Person zu tun hatte. Ich war OK. Auch wenn sie das in ihren Ausbrüchen mal wieder nicht sehen konnte. Leider gipfelte es in einem endgültigen Streit, dessen Ursache eigentlich banal war, aber entscheidend, dass ich signalisierte, dass ich ihr Handeln nicht mehr tolerierte. Ich hatte die Schnauze voll. Ich wollte mich weder irgendwie und -wann rechtfertigen müssen (für Kritik, die m. E. ungerechtfertigt war), noch wollte ich mir ihre Äußerungen, aber vor allem auch diese anderen gegenüber, noch weiter anhören. Love it, change it, or leave it. Nun – ich bin gegangen.

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