Am Ende der Welt – in Fisterra
Galicien und ganz speziell ein alter keltischer Ort in Galicien – Fisterra – und heute das Ende des Jakobswegs NACH Santiago de Compostela – hatte mich verzaubert. Ich blieb ein halbes Jahr. Und… Ich komme wieder!










Fisterra oder Finisterre heisst «Ende der Welt». Die alten Kelten glaubten, dass hier nicht nur das Ende ihrer Welt ist, sondern sich auch die Sonne schlafen legt. Sie bauten den Sonnentempel, zu dem sie entlang der Milchstraße zu bestimmten Zeiten pilgerten. Sie glaubten, dass ihre Seelen zu einer Insel, weit im Ozean verborgen, nach dem Tod einkehrten.
«Der berühmteste Weg des Abendlandes, der Pilgerweg nach Santiago de Compostela ist auch unter dem Namen «Sternenweg» bekannt. Die Sterne der Milchstraße – das ist nach altem Glauben der Weg der Seelen. Ihr Licht ist ein Kompass, der den Weg anzeigt zum Paradies, das man früher am Ende der Erde vermutete.» Quelle: www.bistum-aachen.de/Pilgern
Steht man selbst am äussersten Zipfel der Halbinsel, kann man die Besonderheit dieses Ortes spüren: Umgeben von Meer, links der Sonnenaufgang und rechts der Sonnenuntergang. Und weit und breit nur der große Atlantik, nur Weite, bis ans Ende des Horizonts.
Pilgern – Keltische Riten und Spuren in Galicien / Quelle: pilger-weg.de:
Es ist genauer gesagt nicht korrekt, von einem „Volk der Kelten“ zu sprechen. Vielmehr sollte man von verschiedenen Völkern oder Stämmen innerhalb eines keltischen Kulturkreises sprechen, der durch eine gemeinsame keltische Sprache, Religion, Kunst und Kultur verbunden war. Die sogenannten Kelten waren nie zentral organisiert und besaßen weder ein allgemein anerkanntes Oberhaupt noch einen einheitlichen Staat. Stattdessen lebten sie in zahlreichen verschiedenen Stämmen und Stammesverbänden, die jedoch einige kulturelle Gemeinsamkeiten aufwiesen.
Dank archäologischer Entdeckungen gibt es mittlerweile eine Fülle an Informationen über „die Kelten“. In Bezug auf Pilgerwege konzentriert sich dieser Artikel jedoch hauptsächlich auf die Spiritualität und die damit verbundenen Initiationsriten im heutigen europäischen Kulturraum.
Die Völker und Stämme des keltischen Kulturkreises gehören zur indogermanischen Sprachfamilie und hinterließen ihre Spuren über ganz Europa hinweg.
Auch die Kelten besaßen ein eigenes Glaubenssystem, wie es in allen Kulturen weltweit der Fall ist.
Für Historiker ist es bedauerlich, dass das Wissen der Druiden nicht schriftlich festgehalten wurde, da die Kelten Schrift nur für alltägliche, praktische Zwecke nutzten.
Frühmittelalterliche Keltenkreuze, die bis heute erhalten sind, erinnern an die Mythologie unserer Vorfahren.
Überall dort, wo historische Wege und deren Umfeld weitgehend unversehrt geblieben sind, finden wir keltische Spuren. Denn spätestens ab dem Jahr 500 v. Chr. gab es die ersten Fernwege im mitteleuropäischen Raum, die vermutlich den Kelten zu verdanken sind.
Die von den Kelten genutzten Routen in Europa wurden als günstige Wege überliefert, und sie orientierten sich häufig an den Sternen.
Ein genauerer Blick auf die religiöse Geschichte der Menschheit zeigt zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung der Sterne. Wir kennen nicht nur die „Milchstraße“ am Himmel, sondern auch Sternenwege und -gebirge auf der Erde, wie etwa den Camino Santiago, den Camino Português und die Serra da Estrela.
Zur Blütezeit (1. – 2. Jh. v. Chr.) erstreckte sich das von den Kelten bewohnte und beeinflusste Gebiet über Frankreich (Gallier), die Iberische Halbinsel (Galläker im Nordwesten, heute Galicien, und Keltiberer im Südwesten, heute Portugal), Süddeutschland und die heutige Schweiz (Helvetier), teils auch über Norddeutschland bis nach Slowenien. Später erreichten die Kelten auch Italien (Celtae oder Galli), den Balkan und Anatolien (Galater), also Kleinasien. Die Griechen bezeichneten diesen Kulturkreis als Galatoi oder Keltoi, was „die Tapferen“ oder „die Kühnen“ bedeutet.
Einige keltische Stämme blieben jedoch auch in ihren angestammten Regionen in Mitteleuropa und überdauerten nicht nur das Eindringen der Germanen, sondern teilweise auch die frühe Christianisierung und Romanisierung. Erst während der Karolingerzeit im Frühmittelalter verschwanden die keltischen Völkerstämme sowie ihre Sprache weitgehend, mit wenigen Ausnahmen in Teilen Germaniens.
(Anmerkung von Monika: Das Wort «Germane» wurde für die Volksgruppen und -stämme oberhalb des Limes (Grenzwall der Römer) eingeführt. Eine kurlturelle und zeitliche Trennung der beiden Bezeichnungen «Kelten und Germanen» ist demnach nicht wirklich möglich. Die Nutzung identischer Schriftzeichen lässt für mich den Schluss zu, dass es einfach weitere Volksstämme in Europa waren, die womöglich auch identische Glaubenssysteme hatten – vor der Unterwerfung.)
Heute ist das Interesse an alten Initiationswegen und spirituellen Ritualen mit entsprechenden Örtlichkeiten aus der Zeit des keltischen Kulturkreises wieder erwacht.
Die keltischen Stämme waren über Jahrhunderte die bedeutendsten Bewohner Europas. Die sogenannten «Kühnen“ wurden durch die Angriffe auf Rom und Delphi später als Feinde der zivilisierten Welt betrachtet. Von den Römern wurden sie als Barbaren gefürchtet und als solche propagiert, aber heute weiß man, dass die zeitgenössischen Berichte der Römer auch verfälscht wurden.
Was wir heute als keltische Kultur betiteln, hat seinen Ursprung um 1000 v. Chr. im Gebiet Nordwestfrankreich – Hunsrück – Eifel – Moseltal. Und noch heute findet sich in so mancher Mundart ein Wort aus der keltischen Sprache, z. B. in Trier durch die Treverer (Anmerkung von Monika: Meine Familie väterlicherseits (und ich) stammt genau aus dieser Region – in der Eifel-/Moselregion unweit von Trier. ;-))
In den alten Vorstellungen der Menschen symbolisierten die Sterne der Milchstraße den Weg der Seelen. Darüber hinaus versammelten sich die Seelen, gemäß der keltischen Mythologie, jenseits des Horizonts im Atlantik auf der „Insel der Seeligen“. Für den keltischen Stamm der Galläker war ein solcher Ort beispielsweise das Kap Finisterre, das seit jeher als Kult- und Ritualstätte diente und heute vor allem durch den Fortgang des Pilgerwegs von Santiago de Compostela bis zum Kilometer 0 in Fisterra bekannt ist.
Die Vermischung heidnischer und christlicher Bräuche entstand in Europa nicht nur, aber auch durch die Entdeckung zahlreicher christlicher Reliquien im frühen Mittelalter. Bereits viel früher erkannten die Römer die mystische Bedeutung keltischer religiöser Stätten und errichteten ihre eigenen Tempel auf diesen Kultplätzen.
Man kann sagen, dass es vor allem die keltischen Initiationswege und Kultstätten sind, die Pilger aus aller Welt heute in Europa nutzen, um gemeinsame Pilgerziele und historische Pilgermetropolen zu erreichen – sei es auf einem Jakobsweg oder einem Frankenweg, sei es an weltberühmten Kathedralen wie in Rom, Santiago de Compostela, Aachen, Paris oder Mailand, oder in weniger bekannten regionalen Stätten wie der Cruz de Ferro, dem Heiligenberg oder dem Disibodenberg.
http://www.pilger-weg.de/allgemein/historisches/keltischeritenundspurenimhinblickaufpilger.html
Alte Sagen – ein Zeugnis alten Glaubens – und wieder Seelen
Um alte Glaubenssysteme etwas rekonstruieren zu können, sind alte Mythen und Sagen aus der jeweiligen Gegend manchmal sehr hilfreich. Eine, über die ich hier in Galicien gestolpert bin ist die Sage der Santa Compaña:
Wikipedia:
«Die Santa Compaña (heilige Gefolgschaft) ist ein populärer Mythos, der in den ländlichen Gebieten Galiciens und Asturiens verbreitet ist. Im Zentrum der teilweise legendenhaften Vorstellungen steht eine Prozession von Toten, Geistern oder ruhelosen Seelen, die nachts über die Wege einer Gemeinde zieht und dabei alle Häuser besucht, in denen der Tod eines Menschen bevorsteht.
Die Santa Compaña ist eine der in der Mythologie Galiciens und Asturiens am tiefsten verwurzelten Überlieferungen und findet sich, teils anders benannt, in allen Epochen der asturisch-galicischen Kulturgeschichte. Am verbreitetsten ist die Beschreibung eines durch die Nacht streifenden Zuges ruheloser Seelen, barfuß, angetan mit weißen, tunikaartigen Umhängen und Kapuzen, wobei die Umhänge Leichentücher sein sollen. Es wurden auch Fälle erwähnt, in denen die Santa Compaña einen Sarg mit sich führte. Der Körper im Sarg konnte dabei unter Umständen der Astralleib des Menschen sein, dem die Prozession begegnet.
Weiter wird beschrieben, dass die Geister in zwei Reihen gehen, jeder mit einer brennenden Kerze. Ist die Prozession vorbeigezogen, liegt ein Geruch verbrannten Kerzenwachses in der Luft. Im Laufen singt der Zug meist Totenlieder und läutet eine kleine Glocke. Kurz bevor der Zug passiert, ersterben alle Geräusche des Waldes und seiner Tiere.»
Anmerkung von Monika: die christlich angehauchten Bestandteile der Sage «Rosenkranz» und Kreuz, habe ich weggelassen. Die Kirche hat viele der alten Sagen umgedeutet. Diese Sage erinnert mich sehr an die Perchta (oder Frau Holle), Wächterin der Toten und Anführerin der wilden Jagd während der Raunächte. Beide Sagen werden hauptsächlich der Zeit von «Allerseelen bzw. Allerheiligen» zugeordnet und haben natürlich auch einen Zusammenhang mit dem heutigen Haloween.
Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Santa_Compa%C3%B1a
Geschichtliches über Galicien – der heilige Roland


Auf meinem Weg nach Spanien im November 2024 traf ich Roland. MIt ihm pilgerte ich ein Stück Richtung Santiago, und anschließend entschieden wir uns, gemeinsam mit meinem Mietwagen die alten keltischen Sehenswürdigkeiten in der Gegend abzuklappern. Er war wie ein Engel für mich, der mir irgendwie den Weg weist – selbst die Wohnung in Fisterra besichtigten wir zusammen.
Er erzählte mir von seinem Namensvetter, dem heiligen Roland. Dieser ist eng verbunden mit Galicien. Laut einer Steintafel befreit er die Prinzessin Isabella von Galizien aus einer Räuberhöhle, das Rolandslied ist wohl weltbekannt – zumindest unter den Christen – und Roland hat sich wohl für Karl den Grossen im Krieg gegen die Sarazenen in Spanien in einem Hinterhalt, von seinem Stiefvater inszeniert, geopfert.
Es ranken viele Sagen um die Schlacht, um die Beerdigung der geopferten Christen, die natürlich als wertvoller erachtet werden mussten, als die unwürdigen Ungläubigen. So sollen Rosen auf den unkenntlichen Leibern des eigenes Heeres gewachsen sein, damit diese ein ehrenvolles, christliches Begräbnis erhalten konnten.
Wenn man bedenkt, dass Karl der Grosse gerade im Hinblick auf die Christianisierung eine wesentliche Rolle in der Geschichtschreibung spielte, musste die verlorene Schlacht unbedingt verherrlicht werden. Der heilige Roland war da genau der richtige.
Galicien – der Pilgerort Santiago de Compostela und Fisterra sind eng verwoben mit dieser Geschichte.
Wie es zu dem «neuen» Pilgerort Santiago de Compostela kam und WARUM
Eigentlich ging es auch damals schon nur um den ewig tobenden Glaubenskrieg zwischen den Mauren (Mosleme) und den Christen. Damals im 8. Jahrhundert zog der «Frankenkönig» gegen diese Bedrohung in den Krieg. Spanien war damals bereits überwiegend von den Mauren besetzt. Nur ein kleiner Bereich war noch und blieb von ihnen – wohl aufgrund der Abgeschiedenheit – verschont: Galicien!
Der Glaubenskrieg kam nicht bis hierhin. Welcher Glaube nun hier zu der Zeit noch vorherrschte, sei einmal dahingestellt. Da so wenige Kultstätte zerstört wurden, nehme ich an, dass die Anektierung dieser in ein neues Glaubenssystem (das übrigens auch die Römer schon gerne gemacht haben) nicht wirklich stattfand.
Jerusalem war immer schon heiss umkämpft. Wir alle haben von den Kreuzzügen gehört. Jerusalem war und ist aber nicht nur Pilgerstätte der Muslime und Juden, sondern auch der Christen. Diese pilgerten zum heiligen Jakobus, einem Märtyrer, der von Herodes 44 n.C. enthauptet wurde. Doch die ständigen (Rück-)Eroberungen erschwerten das Pilgerleben der Christen aus dem Abendland bis zu dem fernen Jerusalem ungemein.
Ein neuer Pilgerort musste her, der mit dem heiligen Jakobus verbunden war. Zudem bot sich Galicien besonders an, denn die Ströme der christlichen Pilger würden durch maurisches Gebiet führen und wie ein friedlicher Kriegszug wirken.
Bereits im 9. Jahrhundert wurde von der Heiligen Kirche ein Wunder verkündet. Und wieder spielte das sagenumwobene «Ende der Welt» eine Rolle!:
Quelle: https://jakobsweg-lebensweg.de/historie/auffinden-des-apostelgrabes/
Zitat: Es war ein unwirklicher und abgelegener Landstrich am Ende der damaligen Welt, Finis terrae nannten es die Römer, und auch für die späteren Eroberer der Iberischen Halbinsel, für Vandalen, Westgoten und Mauren, lag es unendlich fern von den Zentren der Welt.
Die Gebeine des Apostel Jakobus wurden um 820 im äußersten Nordwesten Spaniens entdeckt, zu einer Zeit, als die heftigen Maurenstürme das Abendland erschütterten. Bischof Theodemir von Iría Flavia ließ unter Fasten und Beten die von wundersamen Lichtzeichen überstrahlte Stätte ausgraben und bestätigte den Fund des in Vergessenheit geratenen Apostelgrabes.
Jakobus soll der Legende nach, die Frohe Botschaft in Spanien verkündet haben. Nach seiner Rückkehr ins Heilige Land ließ ihn Herodes Agrippa 44 n.Ch. enthaupten. Sein Grab sollte man folglich in Jerusalem vermuten. Wie die sterblichen Überreste nach Spanien gelangten, bleibt unklar.
Den genauen übernatürlichen Hergang erzählt der mittelalterliche Pilgerführer ‚Codex Calixtinus‘ : Der Leichnam des Apostels wurde nach seiner Enthauptung in ein Boot gebracht und dem Willen des Herrn überlassen. Engel haben dann das Boot nach Galizien gelenkt.